Corona-Schutz durch Erkältungs-Antikörper

Vorherige Erkrankungen mit ähnlichen Viren können das Immunsystem gegen COVID-19 stärken. So bilden sich zum Beispiel schon bei manchen harmlosen Erkältungen Antikörper gegen das gefährliche Corona-Virus. Das haben Forscher der Berliner Charité und des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik jetzt in einer Studie herausgefunden.

COVID-19 ist nur eines von vielen Corona-Viren. Sieben verschiedene Arten von Corona-Viren können Menschen infizieren. Sie sind teilweise schon seit Jahrzehnten im Umlauf – Je nach Art reichen die Auswirkungen von einer leichten Erkältung über Grippe bis hin zu schweren Atemproblemen. Sie ähneln sich in ihrer Struktur. Deshalb können die im Körper entwickelten Immunzellen verschiedene Arten von Corona-Viren angreifen. Die Forscher sprechen hier von Kreuzimmunität.

800 Menschen untersucht

Einige Menschen, die noch nie mit COVID-19 Kontakt hatten, verfügen trotzdem über entsprechende Immunzellen. Das haben die Wissenschaftler der Charité und des Max-Planck-Instituts in ihrer Studie festgestellt. Die Forschergruppe hat für ihre Studie seit Mitte 2020 fast 800 Menschen regelmäßig untersucht. Während der Studie infizierten sich 17 Probanden mit COVID-19. Dabei zeigte sich, dass Immunzellen von früheren ähnlichen Erkrankungen die neuen Erreger angreifen. Außerdem fiel die Reaktion auf COVID-19 umso besser aus, je mehr dieser Immunzellen bereits im Körper waren.

Impfung bleibt wichtig

„Bei Erkältungen mit harmloseren Coronaviren baut das Immunsystem also eine Art universelles, schützendes Coronavirus-Gedächtnis auf. Wenn es nun mit COVID-19 in Kontakt kommt, werden solche Gedächtniszellen aktiviert und greifen auch den neuen Erreger an“, erklärt Dr. Claudia Giesecke-Thiel, leitende Autorin der Studie. Das könne die Reaktion des Immunsystems verbessern und die Ausbreitung im Körper zu Beginn der Infektion einschränken. „Das bedeutet nicht, dass man durch vergangene Erkältungen vor COVID-19 geschützt ist. Eine Impfung ist in jedem Fall wichtig“, so Dr. Claudia Giesecke-Thiel.

Milderer Corona-Verlauf

Dass diese Zellen tatsächlich die Ursache für mildere Verläufe waren, konnte die Studie nicht beweisen. „Wir haben angenommen, dass die Zellen eine schützende Wirkung haben – Coronaviren also die Symptome bei COVID-19 abmildern“, erklärt Dr. Lucie Loyal, Forscherin an der Charité.  Doch es könnte auch das Gegenteil zutreffen: „Bei manchen Viren führt eine zweite Infektion mit einem ähnlichen Virusstamm zu einer fehlgeleiteten Immunantwort mit negativen Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf“, so Dr. Lucie Loyal.

Die neue Erkenntnis könne den Grund für die vielen unterschiedlichen Verläufe im Falle einer Infektion liefern. Mit steigendem Alter nimmt die Kreuzimmunität laut der Forschergruppe ab. Je älter die untersuchte Person war, desto weniger Immunzellen entwickeln sie. Das liege an natürlichen Veränderungen des Immunsystems. Deshalb sei bei dieser Gruppe eine Auffrischungsimpfung besonders sinnvoll.

 

Bildquelle: ©gorodenkoff/stock.adobe.com

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