Ofenspargel mit gerösteten Nüssen

Frühling bedeutet Spargel. Klassisch wird er gekocht und mit Schinken genossen. Es gibt aber noch viele andere Arten, wie man das gesunde Gemüse zubereiten kann. Probieren Sie sich doch einmal an leckerem Ofenspargel in Kombination mit powervollen Gefährten.

Zutaten (für 2 Personen)

250 g weißer Spargel

250 g grüner Spargel

300 g kleine Tomaten

30 g Haselnüsse

1 Knoblauchzehe

1-2 Hände frischer Blattspinat

2 EL Balsamico-Essig (dunkel)

1 EL Agavendicksaft

3 EL Olivenöl

Salz, Pfeffer

 Zubereitung:

  • Heizen Sie den Backofen auf 200 Grad vor. Verteilen Sie die Haselnüsse auf einem Backblech und rösten Sie sie für 10 Minuten im Ofen.
  • Waschen Sie den Spargel und schneiden Sie ihn in 1,5-2 cm dicke Stücke – die Enden vom weißen Spargel abschneiden.
  • Nehmen Sie die Nüsse aus dem Ofen und lassen Sie sie abkühlen. Dann den Balsamico-Essig und Agavendicksaft miteinander verrühren.
  • Schälen Sie den Knoblauch, schneiden Sie ihn in Scheiben und streichen Sie eine Auflaufform mit Öl aus.
  • Verteilen Sie den Knoblauch und Spargel in der Form und beträufeln Sie ihn mit der Balsamico-Mischung. Alles mit Salz und Pfeffer würzen.
  • Backen Sie den Spargel für 20-25 Minuten. Nach ungefähr 10 Minuten den Spargel wenden und die Tomaten dazu legen.
  • Waschen Sie in der Zwischenzeit den Spinat und hacken Sie die Nüsse grob.
  • Zum Schluss den Spargel aus dem Ofen nehmen und mit dem frischen Spinat und den Nüssen bestreuen. Guten Appetit!

Der Spargel

  • Es ist nicht zu unterscheiden, ob grüner oder weißer Spargel gesünder ist – beide haben einen positiven Effekt auf Ihren Körper
  • Spargel besteht zu 93 Prozent aus Wasser, aus zwei Prozent Proteinen und vier Prozent Kohlenhydraten. Dabei hat er nur 0,2 Prozent Fett und damit einen sehr niedrigen Kaloriengehalt von nur 150 kcal auf einem Kilogramm.
  • Er enthält viele Mineralstoffe wie Kalium: Es wirkt blutdrucksenkend. Auch hat Spargel einen hohen Kalziumgehalt, was gut für Zähne und Knochen ist. Phosphor hilft bei dem Transport, der Speicherung und Verwertung von Energie in Ihrem Körper. Der hohe Stickstoffgehalt des Spargels reizt die Nieren und bewirkt die bekannte, harntreibende Wirkung.
  • Neben Mineralstoffen sind auch viele, wichtige Vitamine im Spargel enthalten: Vitamin A ist essenziell für die Sehkraft, Vitamin E hat einen großen Einfluss auf Ihre Nerven und Vitamin K hat eine positive Wirkung auf unser Blut

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Rezept: Grüne Detox Smoothie-Bowl

Der Frühling steht als Jahreszeit für das Erwachen – nicht nur in der Natur, auch wir Menschen verspüren den Drang, mit den ersten Sonnentagen unserer Lust nach „Durchlüften“ nachzugeben – nicht nur im Haus, sondern auch bei uns selbst. Detox, zu deutsch: entgiften, heißt das Zauberwort und unser heutiges Rezept ist genau das Richtige, um mit einer appetitlichen Schüssel voller gesunder Leckerschmeckern den Lebensgeistern neuen Atem einzuhauchen.

 Zutaten für zwei große Bowls:

  • 150 g Gurke
  • 1 saurer Apfel
  • 20 g Grünkohl
  • 10 g Ingwer
  • 1 Zitrone
  • 100 g TK Spinat
  • 40 g Kürbiskernmus
  • 1 EL Waldhonig (oder Agavendicksaft für die vegane Variante)
  • 1 TL Hanfsamen (ungeschält)
  • 1 TL goldene Leinsamen
  • 1 EL gefriergetrocknete Beeren
  • 1 TL Kürbiskerne
  • 1 TL Haselnüsse

Zubereitung (etwa 20 Minuten):

  • Gurke, Apfel und Grünkohl waschen. Gurke mit der Schale in grobe Stücke

schneiden und Grünkohl vom Strunk befreien.

  • Apfel mit der Schale vierteln und

das Kerngehäuse entfernen. Ingwer schälen und Zitrone auspressen.

  • Spinat in einen Standmixer geben. Ingwer, Zitronensaft, Gurke, Apfel, Grünkohl,

Kürbiskernmus, Honig mit 100 ml Wasser dazugeben und auf höchster Stufe zu

einem feinen Mousse pürieren.

  • In 2 große Schüsseln geben und mit Hanfsamen, Leinsamen, Beeren, Kürbiskernen

und Haselnüssen genießen.

  • Tipp: Als vegane Variante kann alternativ Agavendicksaft anstelle des Honigs

verwendet werden.

Power

  • Die Gurke gilt seit jeher als gesunder Schlankmacher: Insbesondere Vitamine aus der B-Gruppe, aber auch Vitamin C und Vitamin E machen sie so wertvoll. Dazu ist sie relativ reich an den Mineralstoffen Kalzium, Zink, Eisen, Magnesium, Kalium und Phosphor.
  • Der Vitaminreichtum der Äpfel prädestiniert sie als Zutat einer gesunden Ernährung: Mineralstoffe und Spurenelemente kommen hinzu, die ebenfalls enthaltenen Antioxidantien schützen die Zellen vor freien Radikalen – all das macht den Apfel in Deutschland so beliebt, im Durchschnitt isst jeder 30 Kilogramm oder etwa 125 Äpfel pro Jahr.
  • Grünkohl ist ein sehr gesundes Gemüse, das viel Calcium, Eisen, Vitamin K und Vitamin C plus eine Menge antioxidativ wirksamer Pflanzenstoffe liefert. Mit seinem hochwertigen Protein wird die basische Eisen- und Proteinquelle gerne Alternative zu tierischem Eiweiß empfohlen wird.
  • Seinen stark aromatischen Geruch hat Ingwer seinem ätherischen Öl mit Inhaltsstoffen wie Zingiberen und Zingiberol zu verdanken, seine Schärfe kommt dagegen vor allem von Stoffen wie Gingerol.
  • Er wirkt wie die Zitrone positiv auf das Immunsystem: Die Zitrone ist ein erstklassiger Vitamin-C-Lieferant, das die Eisenaufnahme im Körper verbessert.
  • Kürbiskerne überzeugen mit sehr gesunden ungesättigten Fettsäuren (die umgangssprachlich „guten Fette“), einem hoher Mineralstoffgehalt und ihrer antioxidativen Wirkung. Die enthaltenen Karotinoide und Vitamin E können Entzündungswerte senken. Das ebenfalls enthaltene Tryptophan sorgt für eine Regulierung des Schlafrhythmus.
  • Im Unterschied zu herkömmlichem Blütenhonig liefert Waldhonig mehr Mineralstoffe, Spurenelemente und ätherische Öle und gilt daher als der gesündere Honig.
  • Hanfsamen sind kleine Kraftpakete und starke Eiweißquellen, können aber auch mit hohen Anteilen an Vitamin B1, B2 und E, Calcium, Magnesium, Kalium und Eisen sowie den gesunden Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
  • Goldleinsamen können bei Verstopfungen und als natürliches Abführmittel hilfreich sein. Goldleinsamen enthält im Gegensatz zu braunem Leinsamen mehr Linolsäure (Omega 6-Fettsäure) und weniger alpha-Linolensäure (Omega 3-Fettsäure).
  • Beeren enthalten je nach Sorte unterschiedliche Mengen Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E, Kalium, Calcium, Phosphor, Carotin, Folsäure, Pektin, Silizium, Anthocyane, Eisen, Magnesium und Zink. Das enthaltene Vitamin C ist sogar höher als bei einer Zitrone.
  • Haselnüsse enthalten vor allem ungesättigte Fettsäuren, Vitamin E und verschiedene B-Vitamine, aber auch Magnesium, Phosphor, Kalium, Eisen und Calcium: Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Phytosterine runden die Liste der guten Dinge ab. Übrigens: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt täglich 25 Gramm Nüsse zu essen.

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Schützt Vitamin D vor Corona?

Vitamin D – oftmals wird es auch als Super-Vitamin bezeichnet. Was bewiesen ist, ist, dass es wichtig für gesunde Knochen ist und auch regulierend auf das Immunsystem einwirkt. Deshalb wird aktuell diskutiert, ob das sogenannte Sonnenvitamin vor einer COVID-19 Erkrankungen schützen und sie abmildern kann. Pauschal lässt sich allerdings keine Empfehlung für eine gezielte und ergänzende Aufnahme von Vitamin D geben, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE).

„Es gibt Hinweise, dass Vitamin D auch bei einer Covid-19-Infektion schützt“

Ende Januar 2021 sagte der DGE-Präsident Prof. Dr. Jakob Linseisen gegenüber dem Tagesspiegel, dass es aus der Forschung belastbare Hinweise gebe, dass Vitamin D einen schützenden Effekt vor Corona habe. „Es gibt Hinweise, dass Vitamin D auch bei einer Covid-19-Infektion schützt“, wurde der Professor für Epidemiologie zitiert. Zwar fehle der ultimative Beweis noch, „allerdings haben wir ja nicht unendlich viel Zeit, auf Ergebnisse zu warten“, gibt Linseisen zu bedenken.

DGE: Potentieller Zusammenhang erkennbar, aber keine pauschale Vitamin-D-Empfehlung

Knapp eine Woche später, am 4. Februar 2021, hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine Mitteilung zum Thema herausgegeben. Der Anlass: Die DGE hat in einer Fachinformation aktuell vorliegende Studien (Stand 11. Januar 2021) gesichtet und eingeordnet. Sie wurden seit Beginn der Pandemie veröffentlicht. Tatsächlich lässt die aktuelle Studienlage einen potenziellen Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-D-Serumspiegel und einem erhöhten Risiko für eine SARS-CoV-2-Infektion bzw. für einen schweren COVID-19-Verlauf vermuten. Die Ergebnisse reichen jedoch nicht aus, um eine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung nachzuweisen. Deshalb sagt die DGE: Pauschal kann daher keine Empfehlung für eine Vitamin D-Supplementation gegeben werden, um einer SARS-CoV-2-Infektion vorzubeugen oder den Schweregrad einer COVID-19-Erkrankung zu verringern. Dies stützen, so die DGE, auch die Aussagen anderer Fachinstitutionen wie des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) oder des Robert Koch-Instituts (RKI).

Nicht mehr als 20 µ Vitamin D täglich zu sich nehmen

Die Häufigkeit einer unzureichenden Versorgung mit Vitamin D in Deutschland ist laut DGE jedoch hoch. Gerade in den Wintermonaten reicht in unseren Breitengraden die UVB-Strahlung für die Vitamin-D-Synthese in der Haut nicht aus. „Eine Supplementation von Vitamin D in Höhe des Referenzwerts von täglich etwa 20 µg (800 IE) kann daher zur Sicherstellung eines adäquaten Vitamin-D-Status erforderlich sein. Unter der Voraussetzung, dass ein kausaler Zusammenhang besteht, hätte ein adäquater Vitamin-D-Status einen präventiven Effekt auf das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion bzw. eines schweren COVID-19-Verlaufs“, sagt Prof. Dr. Jakob Linseisen.

Schutz vor Corona? Zusatznutzen bei adäquatem Vitamin-D-Spiegel nicht nachgewiesen

Bei Personen mit adäquatem Vitamin-D-Status von ≥ 50 nmol 25(OH)D/l im Serum ist bisher nicht nachgewiesen, dass die Einnahme eines Vitamin-D-Präparates einen diesbezüglichen Zusatznutzen hat. Eine andauernde Überdosierung mit Vitamin-D-Präparaten (>100 µg/Tag) ist unbedingt zu vermeiden, da sie zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Nierensteinen, Nierenverkalkungen sowie Störungen des Herz-Kreislauf-Systems führen können

Grundsätzlich empfiehlt die DGE eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D am besten durch die körpereigene Bildung durch Sonnenbestrahlung und über die Ernährung zu erreichen. Wenn das nicht ausreicht, sollten täglich Vitamin-D-Präparate in Höhe des Referenzwertes (20 µg/Tag) eingenommen werden. Höhere Dosierungen sollten nur unter ärztlicher Kontrolle und unter Berücksichtigung des individuellen Vitamin-D-Status erfolgen. Für frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel existieren derzeit weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene verbindliche Höchstmengen für den Vitamin-D-Gehalt. Von daher lassen Sie sich am besten von den Gesundheitsexperten Ihrer Guten Tag Apotheke beraten.

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Corona: So beugen Sie Ängsten vor

Unser Körper hat ein Immunsystem, unsere Psyche ein Fundament. Diese Auffassung vertritt Neurobiologe Gerald Hüther. Für ihn ist es besonders in Pandemiezeiten wichtig, nicht nur auf unsere körperlichen Abwehrkräfte zu achten, sondern eben auch auf unsere emotionalen. Denn aktuell werden wir oft mit Nachrichten konfrontiert, die uns beunruhigen und verunsichern. Deshalb hat der Hirnforscher zu einer besseren Vorsorge gegen Angstzustände aufgerufen. Er tat das beim Online-Live-Talk der österreichischen Diözese Feldkirch. Das Thema: „Wenn die Angst dominiert! Über die Angst in der Corona-Krise und wie wir das Vertrauen in uns selbst und die Gesellschaft stärken können.“

Wie entsteht Angst?

Ja, die meisten von uns haben Angst vor dem Virus. Aber die meinte Hüther nicht. Ihm ging es um die Angst, die durch Vorstellung ausgelöst wird, welche Gefahr von den Viren ausgeht. Angst, so der Hirnforscher, erwachse in den meisten Fällen aus der Überlegung, was „alles“ geschehen könnte.

Pandemie ruft Kindheitsmuster wach

Panisch – so würden Menschen im Lockdown häufiger reagieren, beobachtet Hüther. Denn unsere Schreckensszenarien riefen Angst- und Stresssituationen hervor. Sie lösen dabei ein „Durcheinander im Kopf“ aus und wir verlieren ihn. Die Folge: Wir verfallen in Kindheitsmuster zurück. Das können Sie an Verhaltensweisen wie Herumbrüllen oder dem Zuknallen von Türen erkennen. Im Hirnstamm laufe ein „Notfallprogramm“ ab, erklärte Hüther. Das heißt, wir reagieren nicht sehr viel anders als ein Krokodil – ankreischen, flüchten, erstarren oder totstellen.

Blick auf die Vertrauensressourcen beugt Ängsten vor

Ängste können wir entweder in sich selbst verstärken. Oder wir versuchen, sie kleinzureden. Machtlos dagegen seien wir, wenn uns jemand anders erzähle, wie groß die Bedrohung sei. Was also tun? Hüthers Tipp: Einen bewussten Blick auf die sogenannten Vertrauensressourcen werfen. Darunter versteht er:

  • Das Vertrauen in die eigene Kompetenz. Schließlich hat jeder bereits Schwieriges für sich aus eigener Kraft gelö Eltern könnten diese Selbstwirksamkeit bei ihren Kindern fördern, indem sie den Nachwuchs zum Beispiel Hürden selbst meistern ließen. Für den Neurobiologen macht es sogar Sinn, seinen Kindern möglichst viele kleine Steine in den Weg zu legen. Denn nur so lernen sie Probleme zu lösen, wie er findet.
  • Das Vertrauen in andere Menschen, in Freunde, Verwandte und Bekannte, ganz nach dem Motto: „Gemeinsam sind wir stark!“ Diese Ebene komme nach Hüthers Meinung mit zunehmender Dauer der Pandemie oft zu kurz. Nach der Anfangsphase gegenseitiger Unterstützung würden nun das „Ellenbogen- und Konkurrenzdenken“ der Wettbewerbsgesellschaft langsam wieder die Oberhand gewinnen, bedauerte der Neurobiologe.
  • Das Ur- beziehungsweise Gottvertrauen. Es ließe sich auch als das „Vertrauen, dass alles wieder gut wird“ Hüther weiß allerdings, dass es den Menschen im heutigen Zeitalter schwerfalle, darauf zu vertrauen, dass es etwas gibt, dass einen hält und beschützt.

Für Hüther gleichen die Vertrauensressourcen einem dreibeinigen Hocker. Leider seien die Hockerbeine dünn geworden. Deshalb geraten wir schnell in Panik, ortet Hüther ein Problem ein.

So stärken Sie Ihre Psyche in der Corona-Zeit

„Man muss aus dem Kopf raus, muss sich wieder mit sich selbst und seiner inneren Kraft verbinden“, erklärt der Autor mehrerer Bücher. Die Ratschläge des Experten für die Corona-Zeit:

  • Gehen Sie liebevoll mit sich selbst und Ihren Bedürfnissen um. Tun Sie nichts, was Ihnen nicht gut tut!
  • Stärker Sie sich: Nur der Zugang zu den eigenen lebendigen Bedürfnissen gebe einem das Gefühl, lebendig zu sein.
  • Stillen Sie Ihre Bedürfnisse, die Sie vielleicht schon lange unterdrücken:

3a) Kümmern Sie sich um Dinge und Menschen, die Ihnen wichtig sind

3b) Entdecken Sie alte Entdeckerfreude neu

So wenig wir an den derzeitigen Gegebenheiten auch ändern könnten, so sehr können wir „Verankerungen“ suchen. Damit seien wir besser gewappnet, wenn uns jemand „Angst einjagen“ will. Man wisse, was man wert sei.

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Studie: Corona verstärkt Depressionen

Corona und der Lockdown: Für Menschen über 50 Jahren, die an einer Depression leiden, bedeutet das Pandemie-Geschehen scheinbar eine Verschlechterung ihrer Symptome. Die Gründe dafür liegen in der Einsamkeit und weniger Bewegung. Zu dem Ergebnis kommt die Studie PROTECT unter der Leitung der University of Exeter und des King’s College London.

Corona: Einsamkeit ist Schlüsselfaktor

Einsamkeit ist für die Forscher der Schlüsselfaktor: Dadurch verschlechtere sich die psychische Gesundheit bei Menschen über 50 Jahren. Besonders betroffen davon seien Depressionen und Angstzustände. Weitere Aspekte, die zu einer Verschlechterung beitragen, seien eine verringerte körperliche Aktivität, das weibliche Geschlecht und der Ruhestand.

Vor dem Lockdown waren Symptome weniger ausgeprägt

Die Studie zeigte konkret: Einsame Menschen hatten vor der Pandemie im Vergleich weniger Anzeichen einer Depression. Durch den Lockdown sind sie dagegen stark angestiegen, entweder was die Häufigkeit oder was das Auftreten neuer Symptome angeht. Beispiel: Vor COVID-19 machte sich die Depression der Studienteilnehmer innerhalb von 14 Tagen mindestens zwei Tage lang mit durchschnittlich zwei Krankheitsmerkmalen bemerkbar. Während des Pandemiegeschehens dagegen waren es mindestens sieben Tage innerhalb von zwei Wochen. Oder es kam ein neues Symptom für mehrere Tage hinzu. Bei Menschen, die nicht von der Einsamkeit betroffen waren, veränderte sich die psychische Gesundheit übrigens nicht.

Untersuchung zu langfristigen Auswirkungen der Pandemie auf die psychische Gesundheit

Die Studie wurde bereits 2011 gestartet. Daran haben nach Angaben der Forscher bislang 25.000 Menschen teilgenommen. Das Ziel ist es, gesundes Alter und was dazu beiträgt zu verstehen. Im Mai 2020 verschickten die Wissenschaftler dann einen Fragebogen zu den Auswirkungen von COVID-19 auf die Gesundheit und das Wohlbefinden. 3.300 Menschen füllten den Bogen aus. 1.900 von ihnen waren langjährige Probanden der Studie. Sie wird fortgesetzt, damit langfristige Ergebnisse analysiert und bewertet werden können. Die Forscher wollen so nicht nur neue Wege finden, um einer Verschlechterung der psychischen Gesundheit in Pandemie-Zeiten entgegenzuwirken. Sie wollen auch untersuchen, ob und inwiefern sich COVID-19 längerfristig auf Depressionen, Angstzustände und das Wohlbefinden auswirkt.

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Leben mit Krebs

Mandy Falke war 32 Jahre alt, als sie kurz vor Weihnachten 2017 die Diagnose Brustkrebs erhielt. Ein Schock für die Mutter von drei kleinen Kindern und die gesamte Familie. Plötzlich war nichts mehr wie vorher. Doch Mandy Falke nahm den Kampf gegen die schreckliche Krankheit auf und schaffte es, trotz allem wieder Freude am Leben zu haben. Für MEIN TAG erzählt Mandy Falke, durch welche Täler sie nach der Diagnose und während der Therapie gegangen ist, wie sie und ihre Familie mit der Krankheit heute leben und warum sie das Leben trotzdem gut findet.

„Ich fühlte mich vom Leben betrog“

32 Jahre war ich alt, als ich kurz vor Weihnachten die Brustkrebsdiagnose bekam. Mein jüngster Sohn war acht Monate alt und wurde noch voll gestillt. Meine anderen beiden Kinder waren drei und vier Jahre alt. Ich hatte kurz zuvor erst mein Psychologiestudium begonnen. Nun fühlte ich mich vom Leben betrogen.

„Muss ich am Krebs sterben?“

„Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass Sie überleben“, sagte mir die Oberärztin, als ich die Tage zwischen Weihnachten und Silvester im Krankenhaus verbrachte. Es folgen 16 Chemos, eine beidseitige Brustentfernung, Entnahme der Lymphknoten und schließlich noch 33 Bestrahlungen und weitere Antikörperinfusionen. Ein zeitlich eng getaktetes Programm und trotzdem genug Zeit, um sich Gedanken zu machen: Muss ich an meiner Erkrankung sterben? Immer wieder kamen Gedanken an meine Kinder auf und ich brach unvermittelt in Tränen aus. Einmal saß ich im Bus und weinte. Ich fühlte mich so ohnmächtig.

„Ich versteckte meine Glatze nicht“

Mir fielen die Haare aus, anschließend auch die Augenbrauen. „Mamas Medizin wirkt so stark, dass sogar die Haare davon ausfallen“, erklärte ich den Kindern. Ich versteckte meine Glatze nicht und sie wurde zu unserer Normalität. Zu Ostern wollten die Kinder sie als Osterei bemalen und im Sommer bekam ich Gänseblümchenkränze aufgesetzt. „Du bleibst schließlich immer eine Prinzessin“, lachte meine Tochter dabei.

Selbst kuscheln funktionierte eine Zeit lang nicht

Nach meiner Brustentfernung konnte ich meinen jüngsten Sohn nicht mehr hochheben. Er war noch so klein und konnte nicht selbst laufen. Selbst kuscheln funktionierte eine Zeit lang nicht, weil mein Körper sofort in Panik vor den Schmerzen verfiel. Es erschien mir vorher so selbstverständlich, all diese Dinge machen zu können: Meine Kinder versorgen, sie auf den Arm nehmen und kuscheln. Und nun ging das nicht mehr.

Authentizität kindgerecht verpackt

Gegenüber unseren Kindern war uns Authentizität sehr wichtig, aber kindgerecht verpackt. Wir wollten keine unnötigen Ängste schüren. Solange keine Metastasen auftreten, besteht nicht die Gefahr, dass ich sterbe. Ich versuchte, Gefühle nicht zu verstecken. Wenn ich weinte, sagte ich meinen Kindern, dass ich traurig bin. Emotionen gehören zum Leben dazu. Wir weihten die Krippe und den Kindergarten ein und baten darum, uns eventuelle Auffälligkeiten im Verhalten der Kinder mitzuteilen. Ich selbst suchte eine Psychoonkologin auf, um eigene Verarbeitungsstrategien zu finden.

Langsam schlich sich Normalität inmitten vom Wahnsinn ein. Ich stellte fest: Krebs ist eine furchtbare Krankheit, aber deswegen ist nicht das ganze Leben blöd. Man kann krank sein und trotzdem lachen, lieben und Spaß am Leben haben. Traurig sein und trotzdem fröhlich. Ich musste erst lernen, dass ein Gefühlszustand nicht automatisch alle anderen ausschließt.

Es bedarf wirklich wenig, um glücklich zu sein

Es war befreiend zu erkennen, wie wenig es zum Leben eigentlich bedarf: Ich möchte gesund sein oder zumindest frei von Leid, und ich möchte Zeit mit meiner Familie verbringen. Ist es nicht schön zu erkennen, wie wenig es wirklich bedarf, um glücklich zu sein? Materielle Dinge haben für mich an Wert verloren. Auf dem Sterbebett wird man nicht an sein Auto denken, seinen Beruf oder sein Haus, sondern an die Menschen, die man lieben durfte und die einen, mit etwas Glück, auch zurückgeliebt haben.

Leben im Hier und Jetzt

Ich fühlte mich vor meiner Erkrankung nicht bewusst unsterblich, aber insgeheim hielt ich mich doch dafür. Die Unbeschwertheit ist nun weg. An deren Stelle ist das Gefühl der Präsenz getreten: Ich weiß nicht, ob ich in einem Jahr noch leben werde, aber ich weiß ganz sicher, dass ich es heute tun kann. Meine ungelösten Fragen oder Wünsche ließen sich plötzlich nicht mehr auf eine viel zu unsicher erscheinende Zukunft vertrösten. Diese Erkenntnis ist ein Fluch und ein Segen. Und es verwirrt mich selbst, aber das Leben ist jetzt besser und schlechter. Beides.

Irgendwann kehrte der Alltag zurück

Am Ende der Akutbehandlungen wartete kein „Hey, du hast so viel gelitten, hier ist deine Belohnung“-Pokal. Das Leben ging einfach weiter. Während der Krebsbehandlungen erschien es mir irrsinnig, mich über Banalitäten aufzuregen. Welche Rolle spielt es in fünf Jahren noch, ob mich der unfreundliche Nachbar gegrüßt hat oder nicht? Irgendwann aber kehrten die Alltagsprobleme zurück und ich fragte mich: Sollte ich angesichts einer lebensbedrohlichen Krankheit solchen Themen nicht gelassener gegenüberstehen? Es war befreiend sich einzugestehen: Ja, ich schätze das Leben nun viel mehr wert und ich darf mich trotzdem mit den kleinen Problemen des Alltags beschäftigen.

Was mir geholfen hat …

Ich lebe aktuell im dritten Jahr der Heilungsbewährung. So wird der Zeitraum fünf Jahre nach der Diagnosestellung bezeichnet. In dieser Zeit besteht eine erhöhte Gefahr, dass Metastasen auftreten. Ich bin also noch mitten in dieser kritischen Zeitspanne. Ich hätte nicht gedacht, dass ich dies einmal sagen könnte, aber die Angst wird subjektiv tatsächlich weniger, auch wenn sie objektiv noch genau so viel Berechtigung beanspruchen könnte.

Gespräche und Spiritualität

Was mir geholfen hat, waren Gespräche mit anderen Betroffenen, fotografieren, schreiben und lesen. Ich fand meinen Zugang zur Spiritualität, der heute sehr wichtig für mich geworden ist und der mich daran glauben lässt, dass Geist und Körper auch unabhängig voneinander existieren können. Über meine Krankheitserfahrungen habe ich das Buch „Und dann am Leben bleiben“ geschrieben.

Das Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit

Ich engagiere mich im Bereich Aufklärung, insbesondere hinsichtlich an Krebs erkrankter Elternteile. Auch mein Kinderbuch „Als Mama Krebs bekam“ fand seinen Weg in die Öffentlichkeit. Der von mir gegründete gemeinnützige Verein „Momente, die bleiben e. V.“ (www.momentediebleiben-ev.de) bietet zudem kostenlose Fotoshootings für Betroffene an. Mir helfen diese Tätigkeiten hinsichtlich der Verarbeitung des Krankheitsgeschehens. Zudem befriedigen sie mein aus der Krankheit heraus entstandenes Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit. Wenn ich etwas mache, was ich für sinnvoll halte, helfe ich anderen und gleichzeitig mir selbst.

Gehe nur Wege mit Herz

Anderen Betroffenen mag ich keine Tipps geben. Jeder Mensch und jede Erkrankung sind individuell. Für mich selbst hat sich jedoch der Leitspruch herauskristallisiert: Gehe nur Wege mit Herz. Und ich glaube heute nicht mehr, dass das Leben fair ist. Aber es ist trotzdem gut.

Bildquelle ©Mandy Falke/Privat

Warum Sport das Immunsystem stärkt

Unser Immunsystem können wir trainieren – mit moderater Bewegung. Dadurch kurbeln wir unsere Abwehrkräfte ordentlich an. Aber Achtung: Übertreiben wir es und verausgaben uns, bewirken wir das Gegenteil. Warum Sport im richtigen Maß guttut, erfahren Sie jetzt mehr.

Darum bringt Sport das Immunsystem auf Trab

Sind wir aktiv, schüttet unser Körper Adrenalin aus. Das Hormon ist eine treibende Kraft: Dadurch vermehren sich die Abwehrzellen schneller und sind aktiver, wir haben mehr weiße Blutkörperchen, T- und B-Lymphozyten im Blut. Diese Zellen übernehmen spezifische Aufgaben, um Eindringlinge abzutöten. Außerdem sind die natürlichen Killerzellen besser in der Lage, Erreger zu erkennen und anzugreifen, wenn wir in Bewegung sind. Hören wir damit auf, sinkt das Adrenalin wieder – und damit auch die Zahl der Abwehrzellen. Trotzdem: Setzen wir sanfte Reize durch moderaten Ausdauersport, entsteht ein Trainingseffekt fürs Immunsystem. Das Ergebnis: Potenziell schädliche Zellen werden besser beseitigt und unsere Lymphozyten sind tatkräftiger. Diese positiven Effekte sind inzwischen durch zahlreiche Studien nachgewiesen.

Weitere Pluspunkte

Sport trägt dazu bei, dass wir uns wohlfühlen. Das heißt, wir sind dann laut Experten auch weniger ängstlich, sodass weniger vom Stresshormon Kortisol ausgeschüttet wird, und der Blutdruck sinkt. Auch dadurch wird unsere Körperabwehr gestärkt. Noch ein gutes Argument: Sport wirkt wie ein Jungbrunnen aufs Immunsystem, das genau wie wir altert.

Regelmäßig und moderat trainieren

Wichtig ist, dass wir uns regelmäßig und moderat bewegen – von Yoga, über Laufen und Wandern bis hin zum Schwimmen und Radfahren. Übrigens stärken auch Kraft- und Koordinationseinheiten das Abwehrsystem: Bauen wir Muskelmasse auf, können wir mehr Kohlenhydrate speichern und haben mehr Reserven. Und bitte an die Erholungsphasen denken.

Nicht übertreiben

Weniger ist mehr fürs Immunsystem: Gehen wir über die Belastungsgrenzen, sind wir anfälliger für Infekte. Auch wer einen stressigen Arbeitstag hatte, legt lieber ein moderates Training ein.

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Corona: neue Mini-Antikörper entdeckt

Als Donald Trump an COVID-19 erkrankte, wurde er mit Antikörpern behandelt. Sie gelten in der Forschung als ein Hoffnungsträger in der Pandemie. Ein internationales Team unter Federführung der Universität Bonn hat jetzt neuartige Antikörper-Fragmente gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 gefunden und weiterentwickelt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass ihre Entdeckung für einen breitflächigen Einsatz in Frage kommt.

Warum Antikörper?

Nach aktuellem Kenntnisstand sollen Antikörper gegen das neuartige Coronavirus helfen, weil sie zu einem frühen Zeitpunkt der Infektion die Viren neutralisieren. So könne laut Experten eine Corona-Erkrankung schnell heilen. Antikörper sind eine wichtige Waffe des Immunsystems zur Abwehr von Infektionen. Sie heften sich an Oberflächen-Strukturen eines Bakteriums oder Virus und verhindern so seine Vermehrung. Eine Strategie im Kampf gegen Krankheiten ist es daher, in großen Mengen wirksame Antikörper herzustellen und den Erkrankten zu spritzen. Der scheidende US-Präsident Donald Trump verdankt dieser Methode möglicherweise seine schnelle Genesung. Die Antikörper, mit denen er behandelt wurde, haben allerdings eine komplexe Struktur, gelangen nicht sehr tief ins Gewebe und können möglicherweise ungewollte Komplikationen hervorrufen. Antikörper zu produzieren, ist zudem schwierig und zeitaufwändig. Für den breitflächigen Einsatz taugen sie deshalb wohl nicht, so das Forschungsteam.

Was ist anders an den neuen Antikörpern?

Diese „Nanobodies“, die das Team identifiziert hat, sind viel kleiner als klassische Antikörper, mit denen etwa Trump behandelt wurde. Sie dringen daher besser ins Gewebe ein und lassen sich leichter in größeren Mengen herstellen. Die Wissenschaftler am Universitätsklinikum Bonn haben die Nanobodies zudem zu potenziell besonders wirksamen Molekülen kombiniert. Diese attackieren gleichzeitig verschiedene Angriffspunkte des Virus. Der Ansatz könnte verhindern, dass sich der Erreger durch Mutationen dem Wirkstoff entzieht.

Massenproduktion in Hefen oder Bakterien

„Wir setzen dagegen auf eine andere Gruppe von Molekülen, die Nanobodies“, erklärt Dr. Florian Schmidt, der am Institut für Angeborene Immunität der Universität Bonn eine Emmy-Noether-Gruppe zu diesem vielversprechenden neuen Forschungsgebiet leitet. „Dabei handelt es sich um Antikörper-Fragmente, die so simpel aufgebaut sind, dass man sie von Bakterien oder Hefen produzieren lassen kann, was mit geringeren Kosten verbunden ist.“

Mit Lamas und Alpakas gegen Corona

Allerdings bildet das Immunsystem fast unendlich viele verschiedene Antikörper. Sie alle erkennen unterschiedliche Zielstrukturen. Nur ganz wenige von ihnen sind also zum Beispiel dazu in der Lage, das SARS-Coronavirus-2 außer Gefecht zu setzen. Diese Antikörper zu finden, ähnelt der Suche nach einem einzelnen Sandkorn am Strand. „Wir haben dazu zunächst ein Oberflächenprotein des Coronavirus in ein Alpaka und ein Lama injiziert“, erläutert Schmidt. „Ihr Immunsystem produziert dann vor allem solche Antikörper, die sich gegen dieses Virus richten. Lamas und Alpakas bieten zudem den Vorteil, dass sie neben komplexen normalen Antikörpern auch eine einfachere Variante herstellen, die als Basis für Nanobodies dienen kann.“

Dutzende Nanobodies erhalten

Einige Wochen danach entnahmen die Wissenschaftler den Tieren eine Blutprobe. Daraus gewannen sie die genetische Information aller Antikörper, die diese gerade produzierten. Diese „Bibliothek“ enthielt immer noch Millionen verschiedene Baupläne. Mit einem aufwändigen Verfahren sortierten sie diejenigen davon heraus, die eine wichtige Struktur auf der Oberfläche des Corona-Virus erkennen, das Spike-Protein. „Insgesamt erhielten wir so Dutzende Nanobodies, die wir dann weiter untersuchten“, erklärt Dr. Paul-Albert König, Leiter der Core Facility Nanobodies an der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn und Erstautor der Studie.

Vier Moleküle erwiesen sich als hilfreich

Vier Moleküle erwiesen sich in Zellkulturen tatsächlich als effektiv gegen den Erreger. „Durch Röntgenstruktur- und Elektronenmikroskopie-Analysen konnten wir zudem zeigen, auf welche Weise sie mit dem Spike-Protein des Virus interagieren“, erklärt König. Diese Arbeiten erfolgten in den Arbeitsgruppen um Martin Hällberg (Karolinska Institutet, Schweden) und Nicholas Wu sowie Ian Wilson (Scripps Research Institute, USA). Das Spike-Protein ist entscheidend für die Infektion: Es wirkt wie eine Art Klettband, mit dem sich der Erreger an die angegriffene Zelle heftet. Danach ändert das Klettband aber seine Struktur: Es wirft den Bestandteil ab, der für die Anheftung wichtig ist, und sorgt dafür, dass die Hülle des Virus mit der Zelle fusioniert. „Auch die Nanobodies scheinen diese Strukturänderung auszulösen, bevor das Virus auf seine Zielzelle trifft – ein unerwarteter und neuartiger Wirkmechanismus“, sagt König. „Die Änderung ist vermutlich irreversibel; das Virus kann also nicht mehr an seine Zielzellen binden und sie infizieren.“

Neue Therapiemöglichkeiten entwickeln

Darüber hinaus nutzen die Wissenschaftler einen weiteren großen Vorteil von Nanobodies gegenüber Antikörpern: Durch ihren einfachen Aufbau lassen sie sich leicht zu Molekülen kombinieren, die mehrere hundert Mal effektiver sein können. „Wir haben zwei Nanobodies fusioniert, die sich gegen unterschiedliche Teile des Spike-Proteins richten“, erklärt König. „Diese Variante war in Zellkulturen hochwirksam. Zudem konnten wir nachweisen, dass so die Wahrscheinlichkeit drastisch sinkt, dass das Virus durch eine Mutation resistent gegen den Wirkstoff wird.“ Mittelfristig könnten sich die Moleküle zu einer neuen vielversprechenden Therapieoption entwickeln, sind die Forscher überzeugt.

Klinische Studien geplant

Die Nanobodies sollen jetzt in klinischen Studien getestet werden. Der Erfolg des Projektes basiere vor allem auf der exzellenten Zusammenarbeit der beteiligten Arbeitsgruppen an der Universität sowie mit den nationalen und internationalen Kooperationspartnern, betont Florian Schmidt, der auch Mitglied im Exzellenzcluster Immunosensation2 der Universität Bonn ist.

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